Merlin Carpenter, Nicolas Ceccaldi, Jana Euler, Monika Jarecka, Tobias Kaspar, Dirk Meinzer, Buffy Summers, Jan Timme, Amelie von Wulffen

Halle für Kunst Lüneburg


Gefühlsregungen des neben sich Stehens, des sich selbst Zerfleischens sowie einzig um sich Kreisens werden ebenso wie Verweigerung, romantisches Schwelgen, Sozialphobie, Fantum, Devianz und Rebellion in westlichen Gesellschaften oftmals mit Adoleszenz assoziiert. Vermutlich deshalb, da ihnen, zumindest aus der Perspektive eines reibungslosen Funktionierens, eine gewisse Unreife, Labilität, Peinlichkeit und Selbstverliebtheit zugeschrieben wird.

Wenn solchen Gefühlszuständen, Leidenschaften, Dispositionen und Posen das Interesse der Ausstellung gilt, dann deshalb, weil sie eben nicht allein der Adoleszenz zuzurechnen sind. Ist hier dennoch von adoleszenten Gefühlslagen und »pubertären« Gesten die Rede, so verorten wir diese nicht zeitlich und damit biologisch, sprich in einem Abschnitt, der zwischen Kindheit und Erwachsensein angesiedelt ist. Vielmehr fußen sie in der Idee einer fortdauernden bzw. nicht enden wollenden Adoleszenz, eines nicht Erwachsen werden Wollens oder Könnens. Pubertät als Haltung sozusagen.

Solcherart verstandene »pubertäre« Gesten und Regungen sind jedoch nicht romantisierend zu fassen, sondern im Gegenteil als zutiefst ambivalente Phänomene zu begreifen. Denn neben produktiven Aspekten wie sie im Entzug, in der Verweigerung und in der Selbstermächtigung zu Tage treten (seien diese nun intendiert oder nicht) gehen mit einer solch sperrigen Haltung zumeist auch Momente des Leidens an sich und der Welt einher, des zuviel oder alles auf einmal Wollens sowie einer (zumindest empfundenen) Sprachlosig- und Handlungsunfähigkeit. Diese lassen sich ohne weiteres als alltäglicher Horror, als fortwährender Kampf beschreiben.

Die Ausstellung »Coming of Age for Ages« führt Arbeiten zusammen, in denen teils explizit, teils implizit »pubertäre« Gesten, Leidenschaften, Gefühlslagen und Haltungen aufscheinen, sei es nun Verehrung, Nabelschau, Ablehnung, Provokation, Pathos oder Paralyse. Ist manchen der gezeigten Werke dabei eine Distanz eingeschrieben, welche zuweilen die Form von Ironie, Détournement, Pastiche oder Parodie annimmt, scheinen sich andere hingegen genau einer solch »pubertären« Haltung als künstlerischer Praxis zu verdanken. Zu erwägen ist aber auch, ob Kunstmachen (wie jede andere selbstbezogene und Anerkennung begehrende Produktion auch) nicht in seiner Anmaßung und Maßlosigkeit an sich schon zutiefst »pubertär« ist.

– Text: Stefanie Kleefeld, Valérie Knoll, Cornelia Kastelan


Der Eintritt zu Eröffnung und Ausstellung ist frei.

17. Mai – 6. Juli 2014

Eröffnung
Freitag, 16. Mai 2014, 19:00


Halle für Kunst
Reichenbachstraße 2
D-21335 Lüneburg

Öffnungszeiten: Mi-So 14:00–18:00


Weitere Termine im Rahmen der Ausstellung in der Halle für Kunst

Führung durch die Ausstellung
Sa 17.05.2014, 14:00

Kunst und Kuchen
So 01.06.2014, 15:00-18:00

Kinderclub (6-10 Jahre)
Sa 21.06.2014, 11:00-13:00

Führung durch die Ausstellung
Sa 21.06.2014, 15:00





Die Ausstellung basiert auf einer Kooperation von KIM, Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg mit der Halle für Kunst Lüneburg. Der Innovations-Inkubator wird von der EU im Rahmen des EFRE, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, sowie vom Land Niedersachsen gefördert.

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