ausstellungen
Phase 1: Enabling Space Phase 2: Trans-Actions Phase 3: Besides Reproduction

Der Kunstmarkt ist einer langen kritischen Tradition folgend als das die Kunst kontaminierende »Andere« verstanden worden. In jüngerer Zeit wird vermehrt versucht, den Gegensatz von Kunst und Ökonomie einer vielschichtigeren Analyse zu unterziehen: der Kunstmarkt erscheint als ein hochgradig ritualisiertes, in verschiedene Unter-Märkte aufgegliedertes und von komplexen sozialen Mechanismen geprägtes System. Während er in manchen Hinsichten anderen Märkten gleicht, weist er folgende Besonderheiten auf: Intransparenz, Werteregimes von ganz eigener Art sowie vielfältige symbolische Prozesse auf dem Weg vom Kunstwerk zur Ware im Zusammenspiel einer Vielzahl von Menschen und Dingen. Ein Bewusstsein über diese Voraussetzungen ist heute im Kunstfeld häufig vorhanden. Nach wie vor setzen sich zahlreiche Künstler/ innen kritisch mit den Tücken jenes Marktes auseinander – ohne einer Euphorie oder einer Phobie zu verfallen. Im Dickicht des schnelllebigen und als diffus empfundenen Kunstmarktes scheint die explizite Positionierung für die Reflektion der eigenen Verstrickungen unerlässlich.

Die Serie »Demanding Supplies — Nachfragende Angebote« gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Ausstellungen. Sie präsentiert verschiedene künstlerische Positionen zum Thema Kunst und ihre Märkte.

Mit »Enabling Space« unterbreitete die Gruppe nOffice (Markus Miessen, Ralf Pflugfelder, Magnus Nilsson) das erste dieser »nachfragenden Angebote«: eine Reihe von gestalterischen Eingriffen in die räumliche Struktur des Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg. Sie werfen die Frage auf, wie die Präsentationsbedingungen von Kunst das spannungsreiche Verhältnis zu ihrem Markt vorbestimmen.

An diesem neu gestalteten Ausstellungsort zeigte die New Yorker Künstlerin Carissa Rodriguez in Phase 2 »Trans-Actions« ihre Installation »Secrétaires«: ein Arrangement aus dysfunktionalen Schreibtischmöbeln, kombiniert mit Anzeigen aus dem Kunstmagazin »Artforum«, bekannt nicht zuletzt für die Verbindung von avanciertem Kunstdiskurs und exzessiver Galerienwerbung. Die Schau verband zwei räumlich und inhaltlich benachbarte Präsentationen: Parallel zu Rodriguez’ Beleuchtung des Problems der professionellen Verortung in der Kunstwelt und der Beschäftigung mit den Arbeitsbedingungen für Künstler/ innen auf dem Kunstmarkt wurde mit »Dealing with — Einige Bücher, Bilder und Arbeiten zu American Fine Arts, Co.« ein Phänomen der jüngsten Kunstgeschichte in Zusammenarbeit mit der Halle für Kunst Lüneburg e.V. und dem Kunsthistoriker Magnus Schäfer thematisiert. Durch künstlerische Forschung gerieten eine herausragende Händlerpersönlichkeit – Colin de Land – und eine legendäre Galerie – American Fine Arts, Co. – in den Blick. Dieser Galerist war in der Lage, ein weit über New York hinausreichendes kreatives Feld zu schaffen. Am Fallbeispiel von American Fine Arts, Co. erfolgte eine Untersuchung der Bedeutung des Kunsthandels für die künstlerische Praxis sowie verschiedener Formen von Vermischung, die mit der Zusammenführung der üblicherweise als gegensätzlich betrachteten händlerischen und künstlerischen Praxis hervortraten. Beteiligt an dieser Ausstellung waren Art Club 2000, Patterson Beckwith, J. St. Bernard, Stephan Dillemuth, John Dogg, Loretta Fahrenholz, Karl Holmqvist, Jackie McAllister, James Meyer und Phillip Zach. Die Arbeiten von drei Künstler/ innen aus dieser Gruppe gehen in die dritte Ausstellung ein.

Die visuell und diskursiv gewonnenen Einblicke in die New Yorker Kunstwelt, dem »Zentrum des Zentrums« des Kunstmarktes, werden mit den Arbeiten der dritten Phase »Besides Reproduction« verknüpft. Eine Verbindung der vier hinzugefügten Werke stellt die Auseinandersetzung mit einem erweiterten Begriff von Reproduktion dar. Die Schau zeigt die Positionierungen der Preisträger/innen des Daniel Frese Preis für zeitgenössische Kunst – Diego Castro und Katja Staats – sowie künstlerische Arbeiten von Daniel Buren und Maria Eichhorn zum Thema Kunstmarkt. Maria Eichhorn greift im Kunstraum eine Ausstellungsserie von sich auf, in der sie im Zeitraum von 1995-2001 vier Mal eine Art sukzessiven »Resteverkauf« inszenierte. Sie wird als Reproduktion und Retrospektion zugleich fortgeführt. Mit dem 2011 erstmals ausgelobten Daniel Frese Preis wurden Diego Castro und, im Bereich junge Kunst, Katja Staats von einer Jury unter Vorsitz von Beatrice von Bismarck (Rektorin der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) ausgezeichnet sowie von Laudator Robert Fleck (Intendant der Bundeskunsthalle Bonn) gewürdigt. Castro erschließt in seiner kunstmarktkritischen Arbeit Bezüge zur »Situationistischen Internationale« und proklamiert Möglichkeiten der Teilhabe in Übergehung der zahlreichen Filter des Feldes. Mit der Intransparenz des Kunstfeldes und den sozialen Mechanismen der Kunstwelt setzt sich Katja Staats auseinander. Sie bezieht sich auf Künstler/ innen ihres geographischen Umfeldes und vervielfältigt in anspielungsreicher Weise die Perspektiven auf maßgebliche Akteure des Kunstmarkts. Daniel Buren untersucht in einem Projekt, das mittels reproduktiver Verfahren kritische Schnittstellen von Kunst, Design, Handwerk und Mode herstellt, sowohl die partiellen Überschneidungen von Kunstwerken und Luxusobjekten als auch deren spezifische Differenz.

— Julia Moritz


In die Ausstellungsreihe »Demanding Supplies — Nachfragende Angebote« involvierte Kuratorinnen und Kuratoren sind Julia Moritz, Valérie Knoll, Hannes Loichinger, Magnus Schäfer und Cornelia Kastelan.

Mai – Dezember 2011
Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, Campus Halle 25
Scharnhorststraße 1, D–21335 Lüneburg
Anfahrt

Ausstellung und Forschungsprojekt basieren auf einer Kooperation von KIM, Projekte mit der Kreativitätswirtschaft, Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg mit dem Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg.





Der Innovations-Inkubator wird von der EU im Rahmen des EFRE, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, sowie vom Land Niedersachsen gefördert.
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