|
DE
|
Diego Castro und Katja Staats Preisträger/innen des ersten Daniel Frese Preis für zeitgenössische Kunst
Die Preisträger/innen Diego Castro und Katja Staats mit Laudator Dr. Robert Fleck (Bundeskunsthalle, Bonn), Foto: Sabine Vielmo Am 7. Juli 2011 fand im Fürstensaal des Rathauses der Hansestadt Lüneburg die Verleihung des ersten Daniel Frese Preis für zeitgenössische Kunst statt. Die Auszeichnungen des Daniel Frese Preis gingen an den Künstler Diego Castro und − im Bereich junge Kunst − an die Künstlerin Katja Staats. Dr. Robert Fleck, Intendant der Bundeskunsthalle, Bonn, überreichte in seiner Eigenschaft als Laudator die Urkunden in jenem Fürstensaal des Rathauses, der eine der Hauptwirkungsstätten des Malers und Kartographen Daniel Frese in der späten Renaissance war. Nach gründlicher Sichtung und intensiver Diskussion der Einreichungen war die Wahl der Jury auf die künstlerischen Entwürfe von Diego Castro (Harsefeld, Landkreis Stade) und Katja Staats (Buchholz, Landkreis Harburg) gefallen. Zum ersten Jahresthema »Kunst und ihr Markt« waren 28 Entwürfe aus der Projektregion eingereicht worden. Der Fachjury für den Daniel Frese Preis gehörten im Jahr 2011 an: Prof. Dr. Beatrice von Bismarck (Rektorin der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig) (Vorsitz) Prof. Thomas Locher, Künstler (The Royal Danish Academy of Fine Arts, Copenhagen) Bernd Milla (Geschäftsführender Direktor der Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart) Nikolaus Oberhuber (Galerie Koch Oberhuber Wolff, Berlin) Dr. Julia Moritz (Kuratorin KIM) Dr. Christoph Behnke (Leitung KIM) Die Realisierung der Entwürfe von Diego Castro und Katja Staats erfolgt in Zusammenarbeit mit den Kurator/innen der Ausstellung »Demanding Supplies − Nachfragende Angebote« im Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg im November 2011. Die beiden neu entwickelten Arbeiten der Preisträger/innen des Daniel Frese Preis werden mit internationalen Positionen der zeitgenössischen Kunst verknüpft. Diego Castro Der Entwurf von Diego Castro (∗ 1972) schöpft aus einer Werkgruppe aus den Jahren 2005-2010 der vom Künstler als Projekt entwickelten »Immaterialistischen Internationale«, die nicht zuletzt an die Dematerialisierungsthese einer Strömung der Conceptual Art anschließt. Der künstlerische Zugang von Diego Castro verbindet verschiedene Medien, Videos, Installationen, Performances, Texte und Zeichnungen. Eine kritische Reflexion des Kunstmarktes liegt der Produktion der »Immaterialistischen Internationale« zu Grunde, wobei figurative Zeichnungen sich u.a. auf die Themenkomplexe Kunst und Kunsthandel, Kunst und Institutionen, Arbeitsbedingungen für Kulturarbeiter/innen, Produktionsmittel und Distribution beziehen. Ein besonderes Interesse von Diego Castro gilt Fragen des Copyrights, wie sie z.B. im Anschluss an die Creative-Commons-Initiative diskutiert werden. Die erstmalige und umfassende Zusammenführung des zahlreichen und vielschichtigen Materials der »Immaterialistischen Internationale« verweist nicht nur auf den prozessualen Charakter des Projekts selbst, sondern thematisiert zugleich die breitere kunsthistorische Basis von politisch ambitionierter Kunst, die eigene und neue Distributionsformen für die künstlerische Produktion entwickelt. In den Begründungen der Juror/innen heißt es: »Mit großem Einvernehmen wählte die Jury den Wettbewerbsbeitrag von Diego Castro für den 1. Platz des Daniel Frese Preis aus. Er sieht eine multimediale Präsentation vor, die sich − teils kritisch, teils eher belustigt − mit den ökonomischen Einflussfaktoren im Kunstfeld auseinandersetzt. Castro gelingt es dabei, nicht nur eine Reflexion seiner eigenen künstlerischen Praxis im Spiegel ihrer eigenen Vermarktung sichtbar werden zu lassen, sondern auch, diese Auseinandersetzung in ein treffendes räumliches Bild zu übersetzen. Der Entwurf überzeugte die Jury nachhaltig als ein eigenständiger und zugleich an die aktuellen internationalen Debatten zum Verhältnis von Kunst und Markt anschließender künstlerischer Beitrag. Der Künstler hat überzeugend dargestellt, in welcher Weise und mit welchen ästhetischen Mittel er zum Thema Stellung beziehen kann. Er ist sich der Wahl seiner ästhetischen Mittel bewusst. Dies zeigt sich in der ironisch und distanzierten Entscheidung für verschiedene Medien, ausgehend von einer Agit-Prop-Ästhetik bis zu den kanonischen Formen von Repräsentation institutioneller Kritik. Der Künstler hat eine selbstreflexive und kritische Haltung zum Kunstmarkt und dessen komplexen und undurchschaubaren Vorgängen. Er weiß, dass er − wie alle anderen Produzent/innen − selbst Teil des Systems ist. Die Jury ist überzeugt, dass der Künstler zum Thema einen signifikanten Beitrag entwickeln kann.« Vita Diego Castro, ∗ 1972 in Hannover Schulzeit in Stade und Buxtehude 1993-97 Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung, Kiel 1996 Ecole Régionale des Beaux-Arts, Saint-Etienne, Frankreich 1998-99 Postgraduate Studies, Ecole Supérieure des Beaux-Arts, Nantes, Frankreich 2005-07 Postgraduate Studies, CCC, Ecole Supérieure des Beaux-Arts, Genf, Schweiz seit 2010 Doktorand an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg Einzelaustellungen (Auswahl) 1997 »Transit«, Studio in der Stadtgalerie, Kiel 1998 »Diego Castro« Prima Kunst e.V., Kiel 2002 »My way«, Galerie Paolo Boselli, Brüssel 2004 »Emo Eco«, LadenNr.5, Bad Ems 2009 »Art is art and life is life«, Palais de l'Athenée, Genf 2009 »There's one in every crowd«, Standard Deluxe, Lausanne Stipendien und Preise 2002 Nordwest Kunstpreis, Kunsthalle Wilhelmshaven 2004 Künstlerhaus Schloß Balmoral, Bad Ems 2007 Künstlerhäuser Worpswede Katja Staats Die Künstlerin Katja Staats (∗ 1980) bezieht sich in ihrem Entwurf auf den Komplex von Angebot und Nachfrage, aber auch auf Fragen der Mediation zwischen diesen beiden Strukturelementen des Kunstmarktes. Diese Mediation ist in hochkulturellen Systemen der kulturellen Produktion, wie dem künstlerischen Feld, Domäne von Kenner/innen bzw. Expert/innen. Mit diesen zentralen Akteuren des Marktes − Produzent/innen, Konsument/innen und Mediator/innen − setzt sich die Künstlerin in ihrem Entwurf auseinander. Auf die digitale Fotografie gestützt, reflektiert sie die Wechselwirkungen zwischen Künstler/innen, Kenner/innen und Rezipient/innen bzw. Sammler/innen. Mit den Mitteln der räumlich inszenierten Fotografie wird eine Wahrnehmungssituation geschaffen, die den selbstreflexiven Zugriff der Künstlerin auf die Spannungsverhältnisse von Kunst und Markt erfahrbar macht: »Der Betrachter des Betrachters des Werkes sieht also den Betrachter des Werkes gespiegelt in den einzelnen Bestandteilen des Werkes, welches eine Verwirrung, eine Unübersichtlichkeit und zugleich eine Spannung und Neugierde erzeugt.« In den Begründungen der Juror/innen heißt es: »Mit der 1980 in Lohne geborenen Katja Staats nimmt den 1. Platz des Daniel Frese Preis in der Kategorie »junge Kunst« eine Künstlerin ein, die in anschaulicher Weise das Beziehungsgeflecht in Szene setzt, das Künstler/innen mit Galerist/innen und Sammler/innen verbindet. Ihre eigenständige Bildsprache setzt sie dazu ein, die eigenen Untersuchungen zu ökonomischen Abhängigkeiten in einen Erfahrungsraum zu verwandeln und für die Besucher/innen nachvollziehbar werden zu lassen. Ausgangspunkt des künstlerischen Vorschlags der Preisträgerin Katja Staats sind verschiedene Fragen zu Angebot und Nachfrage. Sie versucht, das schwierige und unübersichtliche Verhältnis des Künstlersubjekts zum Kunstfeld zu beleuchten, beispielsweise die Frage der Selbstverortung: wo befinde ich mich − immer wieder neu − im Feld der Kunst und des Marktes? Dieses Verhältnis ist nicht immer nur vorgegeben, sondern kann auch durch Strategien des Künstlersubjekts neu bestimmt werden. Die Jury ist von der Idee für eine räumlich-installative Inszenierung, die begehbar und dadurch erfahrbar wirkt, überzeugt.« Vita Katja Staats, ∗ 1980 in Lohne seit 2010 Vorstandsmitglied des Kunstvereins Buchholz 2007 Eröffnung von »mopsblau − offenes Atelier«, Buchholz seit 2007 freischaffende Künstlerin und Kunstpädagogin seit 2001 Lehrtätigkeiten (allgemeinbildende Schulen, Freie Kunstschule Köln, gemeinnützige Einrichtungen, wie etwa im Kulturpalast Hamburg-Billstedt oder dem Mehrgenerationenhaus Kaleidoskop in Buchholz) 2000-2005 Universität Osnabrück (Kunst, Deutsch, Englisch) seit 1995 künstlerisch tätig Ausstellungen (Auswahl) 2007 Online-Forum Junge Kunst, Galerie schwarz-weiss, Osnabrück 2008 »le cadavre exquis«, Galerie xpon-art, Hamburg 2009 »housefrau«, Galerie xpon-art, Hamburg 2010 Kunstprojekt »NordStart«, Bürgergalerie Neumünster 2010 »fik_tiv«, Galerie xpon-art, Hamburg 2011 5. Triennale der Fotografie, Hamburg Stipendien und Preise 2005 Piepenbrock, Kunstförderpreis Osnabrück 2008 1. Preis Bauhaus heute. Fotowettbewerb Verlag Gruner und Jahr Hamburg
Atelierbesuch bei den Gewinner/innen des Daniel Frese Preis für zeitgenössische Kunst 2011, Diego Castro und Katja Staats Sa 10. 12. 2011 Buchholz/Nordheide und Harsefeld KIM bietet die Gelegenheit und lädt dazu ein, die Gewinner/innen des Daniel Frese Preis 2011, Diego Castro und Katja Staats, gemeinsam mit dem Projektleiter Christoph Behnke sowie den Kuratorinnen Valérie Knoll und Cornelia Kastelan in ihren Ateliers zu besuchen. Die Arbeiten der Preisträger/innen sind derzeit im Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg im Rahmen der Ausstellung »Besides Reproduction« zu sehen. Nun werden Diego Castro und Katja Staats im Dialog mit den Besucher/innen Einblicke in ihr Werk und ihre Arbeitsweise geben. Katja Staats wird Ihr »offenes Atelier« in Buchholz/Nordheide (Landkreis Harburg) und ihre Arbeit im Gespräch vorstellen. Im Anschluss wird es in den Kunstverein Buchholz/Nordheide gehen, wo der Künstler Michael Dörner, der an der Fachhochschule Ottersberg eine Professur für Freie Bildende Kunst inne hat, durch seine aktuelle Ausstellung führen wird. Als letzte Station werden wir zum Atelier von Diego Castro in Harsefeld (Landkreis Stade) reisen, wo der Künstler ebenfalls zum Gespräch einlädt. Interessierte setzen sich bitte bis zum Donnerstag, den 8. Dezember 2011, in Verbindung mit Nora Hannemann, nora.hannemann[at]inkubator.leuphana.de, 04131 677-1920 oder mit Cornelia Kastelan, cornelia.kastelan[at]inkubator.leuphana.de, 04131 677-1924. Die Fahrt wäre privat zu organisieren. Daher bitten wir diejenigen, die nicht mit der Bahn fahren möchten, anzugeben, ob sie eine Mitfahrgelegenheit bieten können oder suchen. Zeitplan und Treffpunkte Sa 10. 12. 2011 11:00 Katja Staats mopsblau – offenes Atelier Rütgersstraße 12 21244 Buchholz/Nordheide http://www.mopsblau.de 12:30 Kunstverein Buchholz Nordheide e. V. Kirchenstraße 6 21244 Buchholz/Nordheide http://kunstverei.m61s11.vlinux.de/wordpress 14:30 Diego Castro Auf dem Klingenberg 30 21698 Harsefeld |
Der Innovations-Inkubator wird von der EU im Rahmen des EFRE, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, sowie vom Land Niedersachsen gefördert. |